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Welche Rolle spielt die Wirbelsäule?

Brustkorbschmerzen, auch Thoraxschmerzen genannt, treten bei etwa 30 % der Menschen mindestens einmal im Leben auf und machen rund 5 % der Beschwerden in Spitalsnotaufnahmen aus (Mandrekar 2021).

Da auch ernsthafte Erkrankungen des Herzens oder der Lunge dahinterstecken können, sollten neu auftretende oder ungeklärte Brustkorbschmerzen ärztlich abgeklärt werden. In den meisten Fällen lässt sich das Herz jedoch als Auslöser ausschließen (Campbell 2017). Sind auch andere organische Ursachen ausgeschlossen, rückt der Bewegungsapparat in den Fokus.

Fam und Smythe beschrieben bereits 1985, dass Strukturen der Brustwand und des Nackens eine häufig übersehene Quelle von Thoraxschmerzen sein können. Neben Reizungen der Rippenknorpel und muskulären Überlastungen kommen auch Beschwerden aus den Gelenken zwischen Brustbein, Rippen und Wirbelsäule infrage (Fam & Smythe 1985).

Eine besondere Rolle spielt dabei die Brustwirbelsäule mit ihren Verbindungen zu den Rippen. Jede der zwölf Brustwirbelregionen steht in enger anatomischer Beziehung zum Brustkorb. Die Rippen sind hinten über kleine Gelenke mit der Wirbelsäule verbunden und bewegen sich bei der Atmung sowie bei Bewegungen des Oberkörpers mit. Zusammen mit den umgebenden Muskeln, Bändern, Gelenkkapseln und Nerven bilden diese Strukturen eine funktionelle Einheit.

Diese enge Verbindung erklärt, weshalb Beschwerden nicht immer dort wahrgenommen werden, wo ihre Ursache vermutet wird. Reizzustände im Bereich der Rippenwirbelgelenke oder der angrenzenden Muskulatur können mit Schmerzen im Rücken, seitlich am Brustkorb oder an der vorderen Brustwand einhergehen. Auch Beschwerden der Halswirbelsäule und des Schultergürtels können in den Brustkorb ausstrahlen. Die Zwischenrippennerven, die entlang der Rippen verlaufen, spielen bei der Schmerzübertragung ebenfalls eine Rolle (Proulx & Zryd 2009).

Brustkorbschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben und sollten daher zunächst ärztlich abgeklärt werden, um ernsthafte organische Erkrankungen, insbesondere des Herzens und der Lunge, auszuschließen. Liegt die Ursache im Bewegungsapparat, kann eine gezielte Untersuchung helfen, mögliche Zusammenhänge zwischen Muskulatur, Rippen, Gelenken sowie Brust- und Halswirbelsäule zu erkennen und zu behandeln.